(Geschrieben 2009)

Die Sache mit den Links

Dieses Jahr (2009) feiere ich zwölfjähriges Internet-Jubiläum. Bei der Schnellebigkeit dieses Mediums komme ich mir da wie ein Methusalem vor. Tätsächlich hat sich in dieser Zeit so viel verändert, wie sonst nur so ein Langlebiger erleben könnte.

1997 war die Anzahl der Websites noch überschaubar, die Qualität des Designs, wenn überhaupt vorhanden, meistens bescheiden.

Die Webpromotion setzte auf Bannerwerbung und Eintragung bei Yahoo und der damals wichtigsten Suchmaschine Alta Vista. Zu dieser Zeit träumte noch viele vom schnellen Reichtum im Internet und wichtigstes Mittel dazu war eine eigene Homepage, die dann durch möglichst viele Besucher den Rubel so richtig schön zum Rollen bringen sollte.

Auch ich fand die Idee vom schnellen Reichtum hervorragend und so kreierte ich meine erste Homepage. Die dazu notwendigen Kenntnisse holte ich mir aus einigen einschlägigen amerikanischen Foren, im deutschsprachigen Raum gabs zu dieser Zeit noch nix zu lernen. Ein paar derer, die heute die großen Spezialisten spielen, lernten zu dieser Zeit gerade Lesen und Schreiben.

Bald hatte ich das Wesentlichste des Suchmaschinenoptimierens erlernt und brachte meine Seiten auf vordere Positionen, zumindest bei Alta Vista. Später konnte ich meine und andere Seiten dann auch bei Google ordentlich positionieren und war soweit mit mir zufrieden.

Zwei Ereignisse haben mich dann vor kurzem auf die geänderten Gegebenheiten aufmerksam gemacht. Und geändert hat sich tatsächlich ziemlich viel. Waren es vor zwölf Jahren ein paar zehntausend Websites, sind es heute um die 100 Millionen Sites und -zig Milliarden Einzelseiten, welche alle um die Gunst der Surfer buhlen. Auch die Zahl der Internetteilnehmer ist gewaltig gestiegen, waren 1997 gerade 50 Millionen weltweit im WWW unterwegs, tummeln sich heute rund 1 Milliarde mehr oder weniger regelmäßig im weltweiten Netz.

Wenn man das alles weiß, versteht man leicht, daß es heute ungleich schwerer ist als noch vor ein paar Jahren, Besucher von den Suchmaschinen zu bekommen. Wenn ich Suchmaschinen schreibe, meine ich natürlich nur die eine, nämlich Google, denn ca. 90% aller Suchen kommen bei dieser dominierenden Institution zu Stande. Und wenn man von SEO (Search Engine Optimization) spricht, meint man eigentlich, daß man versucht seine Seiten so zu gestalten, daß sie von Google indexiert und bei einer aktuellen Suche auf der ersten Seite des Suchresultats (SERP) gelistet werden.

Dabei unterscheidet man „ON-page-“ und „OFF-page-„Optimierung.

On-page-Optimierung, wie der Name schon sagt, ist die Optimierung der Seite selbst, also des Codes derselben. Da gibts ein paar Regeln, die relativ einfach einzuhalten sind und die auch recht gut funktionieren. Bei einfachen Suchwörtern (sogenannten Keywords) kommt man recht flott in die vorderen Ränge der Ergebnislisten. Das vor allem deswegen, weil immer noch die wenigsten Seiten nach diesen wirklich einfachen Regeln gestaltet sind.

Wenn es sich aber um oft gesuchte Begriffe handelt, dann wird die Angelegenheit schwierig bis hoffnungslos.

Nehmen wir als Beipiel den Begriff „Software“. Gib diesen Begriff ins Suchfeld von Google ein und siehe, es werden 1,560,000,000 (sprich 1 Milliarde und 560 Millionen) Seiten gefunden. Na gut, so allgemein wird man ja kaum suchen, eher sucht man z.B. „Software Buchhaltung“ das ergibt aber immer noch 1,160.000 Vorschläge.

Daß man da mit reiner Optimierung des Codes der Seite allein nicht auskommt ist wohl klar, weil da sind sicher ein paar tausend Seiten, die gleich gut optimiert sind. Die Anderen sind ja auch nicht von gestern.

Die Seiten, die nach Meinung von Google der Suche nach dem Suchbegriff am besten entsprechen, sollen an vorderster Stelle zu finden sein. Da hat man sich in Mountain View (wo Google werkt) überlegt, daß man die Wichtigkeit und Relevanz einer Seite unter anderen auch daran messen kann, wieviele andere, fremde Seiten auf diese verlinken. Also wieviele Webmaster der Meinung sind, daß Deine Seite besuchenswert ist und dies mit einem Link zu Deiner Seite dokumentieren.

Darüber hinaus wird auch die Bedeutung der verlinkenden Seite berücksichtigt. Ist ja auch klar, wenn eine Seite von Volkswagen auf eine VW-Händlerseite verlinkt ist das ein gewichtigerer Link als der von einem Gemüsehändler aus Panama City.

Damit wurde der sogenannte Page Rank geboren. Wenn Du Dir den Google-Toolbar installierst, oder einen entsprechenden Zusatz zu Firefox, kannst Du bei jeder Seite, die Du besuchst, im Browserrahmen einen kleinen grünen Balken sehen, der den Page Rank in einer Skala von 0 bis 10 anzeigt.

Wenn also viele bedeutende Seiten (die selbst einen möglichst hohen PR haben) auf Deine Seite linken, dann hast Du einen höheren PR, als wenn nur ein paar unbedeutende Nebenseiten den Besuch Deiner Seite empfehlen.

Der Pagerank wird von Google kontinuierlich ermittelt, die Anzeige aber nur alle paar Monate aktualisiert.

Was bedeutet dies nun in der Praxis für Dich? Es bedeutet, daß die relative einfache „on-page“-Optimierung nicht mehr ausreicht. Neben einigen anderen Faktoren, ist der PR mit ausschlaggebend für eine gute Auffindbarkeit Deiner Seiten.

Die gute Nachricht ist, daß es relativ leicht ist, zumindest die ersten Links zu erhalten, die schlechte, daß es eine Menge Arbeit ist und eine ziemlich unintelligente noch dazu.

Der erste Schritt ist, daß Du Deine Site bei möglichst vielen Webkatalogen anmeldest. Viel Arbeit ist das! Oder Du lasst es machen, das kostet halt dann ein bisschen.

Schau Dir so einen Katalog an – da gibts Kategorien, Subkategorien, Subsubkategorien und dann Einzelseiten, wo der Link zu Deiner Site eingetragen wird. Diese Seite hat einen PR0 den sie großzügigerweise an Deine Seite „vererbt“.

Schon jetzt solltest Du Dir einige zusätzliche Seiten zulegen, wo Du die von vielen (vor allem den besseren) Katalogen verlangten Backlinks, unterbringen können. Diese Seiten darfst Du aber keinesfalls „linkseite-1.htm“, oder „partnerlinks.htm“ nennen, lass Dir Namen einfallen, wo man niemals draufkommen könnte, daß da Links drauf sind.

Lege gleich mehrere solcher Seiten an, denn Du solltest nie mehr als 20 Links auf einer Seite haben. Umgekehrt solltest Du Dich nirgends eintragen, oder Links tauschen, wenn Dein Backlink auf einer Seite mit mehr als 20 externen Links eingebaut wird. Ist ja klar, wenn eine Seite ihre Linkpower an 100 Seiten aufteilt, ist es weniger wert, als wenn sie´s nur an 20 Seiten vererbt.

Wenn Du also Deine Site in ein paar hundert Katalogen eingetragen hast, kannst Du hoffen beim nächsten PR-Update einen PR von 2-3 zu erhalten.

Dann spätestens solltest Du beginnen von „normalen“ Webseiten Links zu erhalten. Da gibts Kataloge, wo sich Linkwillige eintragen können, da gibts Linksysteme, die automatisch diesen Linktauch vornehmen, da kann man Artikel schreiben und Links einbauen, da kann man Links kaufen, oder mieten usw.

Oder die althergebrachte Methode: Du schreibst die Webmaster passender Sites an und schlagst denen einen Linktausch mit Deiner Site vor.

Dazu ist allerdings zu sagen daß Google, einige dieser Techniken nicht sehr mag. Wenn Du trotzdem die eine oder andere dieser Möglichkeiten nutzt, ohne es zu übertreiben, kommst Du so möglicherweise beim nächsten PR-Update auf einen PR3.

Einerseits wirds jetzt immer schwieriger einen höheren PR zu erreichen, andererseits wirds jetzt immer leichter attraktive Linkpartner zu bekommen, da Du ja selbst attraktiver geworden bist. Als Ort für die Links zu den Seiten Deiner Linkpartner verwendest Du Deine dafür vorgesehenen Seiten. Diese solltest Du auch mit etwas Content (=fachchinesisch=Inhalt) versehen. Einerseits damit sie nicht als schnöde Linkseiten erkannt werden können, andereseits um Deinen Linkpartnern themenrelevante Links anbieten zu können. Die Startseite und Deine eigentlichen Contentseiten heb Dir für besondere Linkpartner auf.

Versieh die Seite „versicherungen-tipps.htm“ mit einem Artikel über Versicherungen und biete einem Linkpartner, dessen Seite sich mit Versicherungen befaßt einen Link aus dem Inhalt des Artikels. Der wird besonders erfreut sein, weil er einerseits einen Link von einer Seite mit PR erhält und dann noch dazu einen sogenannten „themenrelevanten“ Link. Ein Link der von einer Seite kommt, die sich mit dem selben Thema befaßt wie die eigene, ist mehr Wert, als einer von einer mit anderen Themen. Du erinnerst Dich an den Gemüsehändler in Panama City.

Du solltest Deinerseits auch darauf achten, daß Du Links erhältst, welche gewisse minimale Qualitätsstandards einhalten:

Die Linkseite
– ist im Googleindex,
– ist keine reine Linkseite und heißt auch nicht so,
– hat nicht mehr als 20 externe Links,
– hat Links ohne „nofollow“-Attribut, oder Weiterleitung
– ist vorzugsweise eine statische html-Seite
– vergibt die Links aus dem Inhalt heraus und nicht im Footer

Angebot Qualitätslinks

Also winkt Dir beim nächsten PR-Update, wenn Du fleißig waren, vielleicht schon ein PR4, wow!

Du wirst Dich fragen, wieviele Links brauche ich denn? Nehmen wir an Du willst mit Deiner Seite einen Pagerank von 5 erreichen.

Dann brauchst dazu ungefähr
90.000 Links mit PR1, oder
15.000 x PR2, oder
3.000 x PR3, oder
600 x PR4, oder
125 x PR5, oder
25 x PR6, oder
5 x PR7, oder
1 x PR8, oder
0,1 x PR9, oder
0,02 x PR10
– oder natürlich eine Mischung daraus

Das Ganze ist, wenn man es professionell angeht, noch viel komplizierter. Was noch schlimm ist, es weiß eigentlich niemand so richtig, was Google will. Und was heute richtig ist, kann morgen schon wieder ganz falsch sein, weil Google (und andere natürlich auch) seine Bewertungsgrundlagen ständig ändert (manchmal auch verbessert).

Auf der sicheren Seite bist jedenfalls, wennst Du eine solid gemachte Website mit einem seriösen Thema, mit interessanten Informationen darüber gestaltet hast.

In jedem Fall mußt Du auch Geduld mitbringen, denn in ein paar Wochen ist kaum eine Website erfolgreich. Wenn Du den oben beschriebenen Weg gegangen bist, sind mindestens drei PR-Updates vergangen und damit mindestens neun Monate. Bei normalem Lauf der Dinge braucht eine Site ein Jahr bis sie halbwegs zum Laufen kommt.

Voraussetzung ist aber, daß Du die Seite formal und inhaltlich ordentlich gestaltet hast (on-page-SEO) und eine ausreichende Anzahl anderer Sites auf Deine Site verlinkt (off-page-SEO)

Es gibt natürlich immer wieder Ausnahmen, daß Sites so toll, schön, oder interessant sind, daß Presse und Fernsehen darüber berichten und die Besucher von selbst in Massen kommen. Da war doch ein österreichischer Finanzminister, kann ich mich erinnern, der hat so eine tolle Site gehabt (hat auch über 100.000 € gekostet), da haben die Drähte geglüht.

Publiziert  2009 von oidahabara